In der Ruhe liegt die Kraft

Heute hab ich wieder mal bestätigt bekommen, dass in der Ruhe die Kraft liegt.

Mein Sohn hat mal wieder ziemlich Mist gebaut. Mir liegt es so fern, mit Schimpfen und Strafen zu reagieren. Deshalb hab ich ihm (er ist ja geistig behindert) ne Nachricht auf einem Blatt Papier zusammengestellt, z. B. wie gefährlich es ist mit Elektrogeräten rumzuhauen und rumzuschmeißen, dass er einen Stromschlag bekommen, Feuer entstehen könnte usw. Er zerstört immer wieder seine CD-Player, obwohl er Musik liebt. Ich habe das Gefühl, dass er das Gefühl braucht, immer wieder was "Neues" haben zu wollen. Er ist es ja gewohnt, dass ich ihm viele seiner Wünsche erfüllt habe und jetzt bekomme ich die Quittung, indem er so reagiert. Im Moment hab ich einfach nicht mehr genug Kohle, um mich "frei zu kaufen". Das liest sich schlimm, ich weiß, aber glaubt mir, es ist echt nicht einfach, einem Kind zu widerstehen, das einem so am Herzen liegt und da ich erziehungstechnisch nicht gerade ne Weltmeisterin bin, fall ich oft hin und her zwischen den "Welten" die meinen Sohn ausmacht und mich.

Heute war ich total ruhig und habe ihm vieles erklärt. Ich musste seinem Betteln und seinen Schmeicheleien widerstehen, was mir ziemlich schwer viel. Aber ich und er haben verstanden, dass wir nicht an einem Tag alles verändern können, sondern nur durch unser Verhalten etwas ändern können.

Der Sinn meiner Existenz ist keine logisch-mathematische Gleichung,

die ich rational zusammenstellen und dann auch noch öffentlich belegen kann.

Kommentare 8

  • Hast Du vielleicht mal daran gedacht, daß, wenn Dein Sohn etwas zerstört, das gar nicht so sehr gegen Dich gerichtet sein muß?

    Vielleicht will er sich damit auch selbst bestrafen, vielleicht richtet sich seine Wut gegen sich selbst - weil er vielleicht nicht so kann, wie er will - weil er anders ist. Es ist möglich, daß auch er einen innerlichen Kampf mit sich führt... Und manchmal kann er diese Wut oder Unzufriedenheit nicht kontrollieren...

    Wäre eine Möglichkeit...

    • Dass er dieses Handeln nicht gegen mich richtet weiß ich. Auch, dass er mit sich im inneren Kampf liegt.

      Weißt Du, ich selbst nehm das zu oft persönlich, weil es mich stört, wenn er so was macht und ich weiß, dass er aus seiner Haut nicht raus kann.

      Du hast das sehr gut erkannt und ich bin froh darüber, dass Du das schreibst, weil ich es oft genug vergesse, dass er ein Ventil braucht und in dem Moment kein anderes hat. DANKE!

    • Für mich ist der Druck im Moment auch ziemlich groß, da ich nicht mehr so viel Kohle zur Verfügung habe.

      Ich sehe ein, dass das mein Problem ist und nicht die meines Sohnes und er einfach auf das besteht, was er gewohnt ist.

      Er müsste auch Krankengymnastik wegen seiner Dysplasie in Knie und Hüfte machen und verweigert die. Jetzt hab ich mir Anleitungen rausgesucht (heute hat er sich mir total verweigert, weil er keine neue Stereoanlage bekommen hat) und werde nächste Woche mindestens alle 2 Tage zu ihm fahren, um mit ihm die Gymnastik durchzuführen.

      Früher habe ich das alle aus dem FF gemacht, heute fällt es mir selbst schwer so konsequent zu sein. Manche Mütter überlegen da nicht lange, ich weiß das! Früher habe ich das auch so gemacht: Augen zu und durch. Und jetzt hab ich Angst, das nicht mehr zu schaffen, die Betonung liegt auf "Angst davor, es nicht zu schaffen". Ich weiß eigentlich, dass ich es schaffe, weil es für mein Kind ist.

    • Zitat

      Weißt Du, ich selbst nehm das zu oft persönlich, weil es mich stört, wenn er so was macht und ich weiß, dass er aus seiner Haut nicht raus kann.


      Können wir ja alle nicht - also "Gleiches Recht für alle" ?


      Vielleicht hilft, in so Momenten sich auf uns selbst zu besinnen, wie wir sind oder reagieren in bestimmten Situationen. Dann müssen wir das auch unserer "Umwelt" zugestehn, und das macht es vielleicht etwas leichter und der Ärger darüber ist nicht mehr grad so stark.

    • Das ist oft schwierig, weil man da erst mal aus dem eigenen Schneckenhaus rauskommen muss, was nur gelingt, wenn man darauf hingewiesen wird. Danke, Agrypnie!

    • Ich glaub, das ist lernbar, brauch aber auch viel an einem - ich nenn es mal "selbstkritischen Blickwinkel".


      Und das wiederum brauch Zeit, und oft passiern uns die "Fehler" im Affekt. 5 Minuten später oder in 'ner ruhigen Minute werden uns Dinge klarer und wir sind dann vielleicht auch einsichtiger.


      Ich sag das jetzt im Allgemeinen - und aus Eigenerfahrung - wobei ich aber in manchen Situationen auch ziemlich stur und uneinsichtig bin. Depends.... nicht immer so einfach das alles.