Die Thermik des Lebens

Komm heute auch mal wieder zum Schreiben. Die letzten Tag waren für mich sehr anstrengend. In dem ganzen Wust von Formularen (AfA, Familienkasse, Bezirk), dem Kurs und dem alltäglichen Wahnsinn, bin ich kaum dazu gekommen, zu überlegen, was mir gut tut.

Am Freitag hatten wir eine "Reise" eines an Demenz erkrankten Menschen, eine Art Meditation. Währenddessen war ich fast am Heulen, weil ich für Meditationen sehr empfänglich bin und manche meinen, ich mich zu sehr in andere Personen versetzen kann. Mir hing das gestern noch nach.

Gestern dann war ich bei meinem Sohn, gingen zusammen einkaufen, quatschten noch ein bisschen und dann brachte ich ihn zurück in die Gruppe. Er ging auf sein Zimmer, in der Annahme ich sei schon längst weg hörte ich ihn plötzlich schimpfen und mit Gegenständen schmeißen. Ich wollte zu ihm, aber die Betreuer meinten, er bräuchte in der Phase seine Ruhe und keine weiteren Reize von außen, dann würde er sich wieder beruhigen. Außerdem wurde mir gesagt, dass er das immer nach dem Einkaufssamstag "veranstalten" würde. Ich war furchtbar entsetzt und traurig, was mache ich nur falsch, dass er so reagiert...? Dass er das macht, um die Eindrücke zu verarbeiten, wie mir gesagt wurde, kam bei mir nicht mehr richtig an. Recht ausgeglichen bin ich im Moment nicht :( Ich will mir eine Strategie zurecht legen, die ihm das "Verarbeiten" leichter macht.

Der Kurs ist auch anstrengend. 4 Stunden zuzuhören, wenn nur über Krankheiten gesprochen wird ist nicht leicht, aber es gehört halt dazu.

Am Freitag und gestern Nachmittag hab ich mir Chai Tee gemacht, den PC, TV und Handy ausgemacht, mir beruhigende Musik angehört und das tat mir gut. Bin natürlich eingeschlafen ;)

So ist sie die Thermik des Lebens, es geht rauf und wieder runter!

Jetzt werd ich mich wieder den Formularen widmen, bei denen sich nicht mal die Hotline auskennt. "Attacke", ich schaff das!!! :)

Kommentare 4

  • Ich denke auch du musst mehr "bei dir" sein.

    Du hast genug um die Ohren , da macht es Sinn sich "mit dir" zu beschäftigen.


    Mein Kinder sind zwar gesund, haben aber natürlich auch ihre Sorgen und Probleme. Mal kleine und mal große, mitunter auch sehr große.

    Aber es ist ihr Leben, ich halte mich da raus.

    Wenn sie einen Rat, Hilfe oder ein Gespräch brauchen, bin ich natürlich für sie da.

    Aber auch wenn ich ihnen einen Rat gebe - wenn sie danach fragen - erwarte ich nicht das sie den beherzigen und bin auch nicht traurig oder sauer, wenn sie es nicht tun.

    Denn sie müssen ihr Leben leben und ich bin ja auch nicht 24 Stunden am Tag da - irgendwann bin ich dann gar nicht mehr da.

    Somit macht es kein Sinn, das sie ihr Leben nach meinen Wünschen und Bedürfnissen ausrichten.

    Und ich denke schon das die Betreuer wissen, wo von sie reden.

    Und wenn es seine Art ist das zu verarbeiten, würde ich eher die Schiene von Agrypnie fahren.

    Versuch mal die Samstage vielleicht anders zu gestallten, mit ihm zusammen.

    Und ihn nicht fragen, wie der Samstag war - sondern eher später mit den Betreuern reden, ob sich etwas verändert an den nächsten Samstagen :-)

  • Zitat

    Ich will mir eine Strategie zurecht legen, die ihm das "Verarbeiten" leichter macht.


    Zugegeben kenn ich mich mit der Krankheit Deines Sohnes nicht aus.


    Ich seh aber häufig bei Dir (bzw. lese), daß Du Dinge ändern willst, und das, ohne die Betroffenen mit einzubeziehen.


    Ich weiß nicht, inwieweit Dein Sohn aufnahmefähig ist, inwieweit man mit ihm reden kann, daß er sich äußern kann, was er will und was er mag, und was er nicht mag. Und da könnten beide (!) ansetzen und eine Änderung/Lösung schaffen. Aber nicht für Dich allein, weil es in meinen Augen wieder neue Probleme schaffen könnte.


    Ich will Dir nicht zu nahe treten damit und wie schon erwähnt, kenn ich mich mit der Krankheit Deines Sohnes nicht aus. Jedoch wäre das "Gemeinsam" vielleicht einen Versuch wert, denn es geht ja um ihn.



    Dann noch "Hut ab" vor deiner "Umschulung" - ich würde das nicht schaffen. Es ist ein Gutes, Menschen zu helfen, jedoch könnte ich gar nicht mehr abschalten, würde alles mit heim schleppen. Es verlangt eine enorme Kraft, diesen Beruf auszuüben, und die hast Du wohl.

  • Zitat

    ...was mache ich nur falsch, dass er so reagiert...?

    Nichts machst Du da falsch! Es ist seine Welt: Die Nabelschnur wurde zunächst nach seiner Geburt getrennt; jetzt käme es darauf an, daß Du auch die Trennung einer geistigen Nabelschnur akzeptierst. Das bedeutet ja keine Zurückweisung oder gar eine mangelhafte Zuwendung; bedeutet aber grundsätzliche Getrenntheit zweier verschiedener Personen, auch wenn die eine die Mutter und die andere der Sohn sind.

    • Ich geb Euch Beiden recht! Mit dem Abnabeln hatte ich schon immer etwas Schwierigkeiten und genau an das dachte ich gestern, nach dem Gespräch mit den Betreuern. Es ist mir schon lange klar und ich habe daran auch "gearbeitet", hab wohl übersehen, dass ich das so mach, dass es auch für meinen Sohn passt!?

      Ich bin froh, dass Ihr ehrlich seid und danke Euch dafür!!!